Was ist eigentlich diese “Gesunde Ernährung”?
Anfang Februar gab es einen Podcast bei “SWR2 Wissen” zum Thema Gesunde Ernährung. Dabei geht es darum, was gesunde Ernährung ist, wie gesichert diese Erkenntnisse sind und wie sie gewonnen werden. Dazu wird erläutert, wie aus solchen Erkenntnissen Aktionen oder Kampagnen werden und welche Fragen man sich als Verbraucher stellen sollte.
Bei Podster kann man sich die Sendung anhören oder herunterladen und auf der SWR2-Seite findet man auch ein Manuskript (siehe Links).
Gesunde Ernährung - Was ist das eigentlich?
Viele werden sich wundern, wie oft doch die Ernährungs-Trends und -Empfehlungen in Zeitschriften wechseln oder sich gar widersprechen. Der Grund für diese Uneinigkeit ist das Unverständnis der Sachlage und die wirtschaftliche Notwendigkeit die Zeitschrift oder das Medium verkaufen zu müssen - und damit den Artikel für den Kunden attraktiv zu machen, also dem Kundenwunsch nach möglichst viel mit wenig Aufwand zu entsprechen. Erfolgsversprechende Angebote setzen vor allem auf mehr Lebensqualität bei einer Ernährungsumstellung, nicht auf periodischen Verzicht, sondern auf einem langanhaltenden Gewinn. Dabei wird es schnell klar, dass man beim Ziel mehr Lebensqualität die Ernährung im Gesamtkontext ‘Mensch’ sehen muss.
Wie wird eigentlich geforscht, dass solche Widersprüche entstehen können?
Gesamtkontext heisst aber auch, dass jeder seinen individuellen Weg finden muss. Der eine mag mit Low-Carb an sein Ziel kommen der andere mit einer Mischkost oder Low-Fett. Den Blick auf die Makronährstoffe Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett verstehen die meisten noch, aber diese Fragen sind wohl nicht die entscheidenden - wichtiger scheint zu sein, an welchen Fetten man sparen kann und welche Kohlenhydrate weiterhin problemlos drin sind. Hier wird es dann schwierig für den Laien, die Hintergründe zu verstehen.
Die Wissenschaft hat neben dem Vermittlungsproblem ebenfalls das Problem, dass es schwierig ist, punktgenaue Erkenntnisse zu gewinnen: die Biochemiker gehen dabei so vor, dass sie die Inhaltsstoffe in Experimenten an Tieren und Zellkulturen testen und dann ihre Schlüsse ziehen. Das heisst aber nicht, dass es beim Menschen genau so sein wird und es heisst auch nicht, dass es im Zusammenspiel mit anderen Stoffen so sein wird - wir essen ja meist keinen Stoff isoliert.
Die zweite Herangehensweise, wie es etwa Epidemiologen tun, ist durch Befragung: man fragt etwa alle Krebspatienten nach deren Ernährungsverhalten und versucht dann Rückschlüsse zu ziehen und Risikowahrscheinlichkeiten zu ermitteln. Auch dies ist sehr fehleranfällig.
Was wird aus solchen Erkenntnissen?
Warum gibt es eine Kampagne, eine Aktion oder einen Artikel - was dachten sich Schreiber, Macher oder Redakteure? Diese Fragen sollte man sich als Konsument stellen. Eine überaus tolle und vor allem bekannte Aktion ist “5 am Tag” - das hast du bestimmt schon gehört, aber wie fundiert ist das und was halten Industrie, Ernährungsfachkräfte und Krankenkassen davon?
Auch das 5-am-Tag-Programm ist, und ich meine das nicht negativ, ein Lobby-Programm. Denn die Gemüse herstellende Industrie hat natürlich ein großes Interesse, dass es verkauft wird. Und wenn man an die Grundlagen von 5-am-Tag geht, dann trifft man auf ein Unternehmen, welches Ananas in Dosen verkauft und damit viel Erfolg hatte. Das sind die Gründer von 5-am-Tag gewesen. Da ist ja nichts gegen zu sagen. Jeder will verdienen. (Hans Konrad Biesalski, Uni Hohenheim)
Diese 5-am-Tag-Regel ist so eine Art pädagogische Regel. Denn wer das schafft, fünf am Tag zu essen, der isst weniger andere Dinge. Wenn ich darauf orientiere und sage: „Oh, ich habe meine Apfel noch nicht gegessen“, dann greife ich vielleicht eher zum Apfel als zu irgendeinem Schokoriegel, der eine Energiebombe ist und wenig gibt. Ich sehe das eher als eine Empfehlung, die eine Grundorientierung gibt, dass ich auch nicht nur meine, dass ich mit Currywurst und Pommes Frites, also gemüsearm, wirklich gut durchs Leben komme. (Zitat Barbara Methfessel, Professorin PH Heidelberg)
Welche Aktionen kennst du oder über welche würdest du gern mehr wissen?
Weiterführende Links:
- SWR2 Wissen-Podcast zum Thema ‘Gesunde Ernährung’ bei podster.
- Kampagne 5 am Tag bei Wikipedia
- SWR2 Wissen Webseite zum Podcast ‘Richtig essen, aber wie?’ (inkl. Manuskript)
Hallo Herr Bauer,
das ist ein sehr guter Artikel!
Gerade die Widersprüche bei den verschiedenen wissenschaftlichen Ernährungsstudien machen eins deutlich - das Abnehmen hat nichts mit der Art der zugeführten Kalorien (Eiweiß-, Fett-, oder Kohlenhydratekalorien) zu tun, sondern das entscheidende ist die negative Energiebilanz. Das wurde übrigens auch bei einer aktuellen Studie festgestellt.
MfG
Mario Berschinski
Hallo Herr Berschinski,
generell können wir auch beim Du bleiben, ich spreche Sie im Artikel ja auch schon so an :-).
Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sage, dass es zwar an der negativen Energiebilanz liegt, dass man aber dann noch herausfinden muss, warum man etwa stark übergewichtig wurde und dann die Ursache ausfindig machen muss. Beispielsweise ob man ein Stressesser, Frustesser, … ist.
Am Ende will ich dann doch noch einfach für das Kompliment mit dem ’sehr guten Artikel’ danken.